Auf einen Tee mit Raşit

Nach dem Aufstehen fahre ich mit dem Boot nach Asien. Nach Kadıköy um genauer zu sein. Ich will Fotografieren. Dort verfalle ich in den Modus, den ich “treibenlassen” nenne. Ich habe kein bestimmtes Ziel. Schaue mir auch nicht an, wo Attraktionen sind. Ich erkunde einfach die Stadt. Ob Hamburg oder Istanbul – die Herangehensweise ist ähnlich.

Bootsfahrt auf dem Bosporus nach Asien

Für die nächsten Tage nehme ich mir fest vor meinen Mitbewohner zu fragen wo es keine Touristen gibt. Wo sie nicht hingehen – um dann genau das zu machen.

Aber erst einmal möchte ich diesen Stadtteil erkunden. Noch im Zentrum, in der Fußgängerzone mache ich eine Pause in einem Café, trinke türkischen Kaffee und schreibe.

Zum Frühstück hatte ich mir einen dieser Phänomenalen Sesamkringel geholt – in der einen Bäckerei gibt es diese gefüllt mit schwarzer Olivenpaste.

Jetzt wird es langsam Mittagszeit. Ich hole mir Börek für ein paar Türkische Lira.

Mit Schafskäse gefüllt hat dieser die Konsistenz von Nudelauflauf und schmeckt auch ähnlich. Vermutlich bin ich lernresisten, schon wieder laufe ich in der brütenden Hitze des Mittags durch die Straßen. Die Menschenmassen der Innenstadt weichen der leere von Wohnvierteln. Zwischen den Häusern erhasche ich einen Blick vom Mittelmeer und wende mich in diese Richtung. Die Hitze ist brütend. Hinter einer Straßenbiegung und zwei großen mehrstöckigen Gebäuden habe ich Blick auf die Küste. Hinter der Straße kann ich ein paar Schirme entdecken. Ein paar Stufen führen zu diesen hinunter. Es scheint ein kleines Straßencafé zu sein. Unter jedem Schirm ein kleiner Tisch mit ein paar Stühlen. Im Schatten eines Schirms ziemlich in der Mitte sitzt ein Junger und ein Alter. Beide rauchen und trinken Chai. Der junge Türke list eine Zeitung.

Der Alte und der Junge

“Merhabar!”. Beide schauen zu mir hoch. Der jüngere Spricht mit mir Türkisch. Ich zucke mit den Schultern. “Do you speak English?”. “No”. Mit Händen und Füßen kommen wir lachend ins Gespräch. Mir wird Eiswasser und Chai serviert. Die Zeitung ist ein Blatt mit Ergebnissen vom Pferderennsport. So etwas habe ich noch nie gesehen. Nachdem ich eine knappe halbe Stunde im Schatten des Schirms geruht haben mache ich wieder auf den Weg. Beim Händeschütteln lachen beide.

Der Alte

Unterhalb des Cafés ist ein Park am Mittelmeerufer. Im ParkIm Schatten der Bäume ruhen sich Leute aus. Es ist immer noch drückend heiß. Eine bun bemalte Treppe führt mich aus dem Park zurück in ein Wohngebiet. Rechts ein leerstehendes Haus, nur die untere Etage ist bewohnt. In den oberen Etagen sind die Fenster eingeschlagen. Türkiser Putz bröckelt von der Decke. Als ein Mann eine Tür öffnet versuche ich ihm klar zu machen, dass ich gerne Fotografieren würde. Er versteht mich nicht. Ein Passant übersetzt. Nein, dass sei nicht möglich. Ich bedanke mich bei beiden.

An der Straßenecke ist ein Fahrradladen, davor ruhen sich alte Türken in Fahrradklamotten aus. Einen Fotografiere ich.

Rasit ein Tuerke den ich in Ueskuendar getroffen habe

Beim Weggehen werde ich angesprochen. Woher ich denn komme. Ein Mann um die 50, Sonnenbrille und kurzes Haar lächelt mich an. Wir gehen gemeinsam und sprechen. Er stellt sich vor: Raşit ist in Belgien geboren und spricht neben Türkisch noch Französisch und English. Er lädt mich zu einem Tee ein. Wir sprechen über Arbeit, Politik. Europa, die Türkei. Über die Menschen und die Reserviertheit der Deutschen. Was genau er macht erfahre ich nicht. “Business” und “I use every opportunity”. Seine Familie hat er in den Urlaub geschickt. Er Renoviert die Wohnung. Es sind Farbreste auf seinem T-Shirt zu sehen. Während er sich die nächste Zigarette ansteckt sagt er “I like talking to Tourists, when they come over to Aisa for one day. To Üskündar.”. Raşit strahlt.

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