Broke.Photos

Beitragsbild: Screenshot von Broke.Photos, Foto: Sascha Niethammer

Rafael habe ich auf einer Demonstration kennengelernt, bei der wir beide fotografiert haben. Mit einem anderen Fotografen hatte ich gerade über Streetphotography geredet, da sprach mich Rafael an. Seitdem kennen wir uns.

Über ihn lernte ich Broke.Photos kennen. Ein Zusammenschluss von drei jungen Hamburger Fotografen: Daniel Nide, Sascha Niethammer und der schon erwähnteRafael Heygster.

Rafael studiert derzeit an der FH Hannover “Fotojournalismus und Dokumentarfotografie”. Ich hab ihn über Broke.Photos interviewt:

Jonas: Was ist Broke?

Rafael: Broke ist ein Kollektiv für Fotojournalismus, Porträts und Straßenfotografie.

Jonas: Ok, und wie ist Broke entstanden?

Rafael: Da fragst du von uns dreien in Endeffekt genau den falschen. Das haben die anderen gegründet, ich bin später dazugekommen. Ein Zusammenschluss aus Freunden hat sich gesagt: Wir wollen gerne zusammen etwas machen. Zusammenarbeiten, sich gegenseitig Feedback geben, miteinander über Fotografie und ihre Leidenschaft diskutieren. Dann entstehen gute Synnergien. Dann ergänzt man sich gegenseitig. Dann kann man sich gegenseitig weiterbringen.

Zusammenarbeiten, sich gegenseitig Feedback geben, miteinander über Fotografie und ihre Leidenschaft diskutieren. Dann entstehen gute Synnergien. Dann ergänzt man sich gegenseitig. Dann kann man sich gegenseitig weiterbringen.

Und aus der Idee heraus haben Daniel und Sascha das gegründet und ich bin ein bisschen später hinzugekommen.

Jonas: Und Du bist hinzugekommen, weil du Daniel und Sascha kanntest?

Rafael: Daniel kannte ich. Und Daniel hat mich dann gefragt, ob ich mich nicht ihm und Sascha vorstellen will. Ausserdem für ein Kollektiv braucht man drei Leute nicht zwei. Zu zweit ist man noch kein Kollektiv. Deswegen hat Daniel mich dann gefragt, dann habe ich Sascha kennengelernt. Und seitdem bin ich mit vollem Einsatz dabei.

Jonas: Du sagtest Feedback kriegen. Ist das mit das Wichtigste?

Rafael: Ich bin da beigetreten, bevor ich angefangen habe zu studieren. Und das war für mich fotografisch eine Zeit, in der ich zwar sehr viel gemacht habe, aber nicht besonders viel Orientierung fotografisch hatte. Für mich war das unglaublich wichtig, das man sich sagen kann: Hey, das Foto ist geil, das Foto ist scheiße. Probier doch dies und jenes Mal aus.

Und vor allem wie ich es oft erlebe unter Freunden, wenn man sich gegenseitig Bildkritiken gibt, dann ist man vorsichtig, dann achtet man darauf, die Gefühle von jemandem anderen nicht zu verletzen. Wir haben bei Broke von Anfang an gesagt wir trennen die menschliche und die professionelle Ebene und können auch problemlos sagen: Du hast voll die Scheiße fotografiert. Das heißt aber nicht, dass man menschlich geknickt sein muss. Das war von Anfang an ein sehr wichtiger Punkt.

Jonas: Wir sind jetzt schon ein auf die Ziele gekommen. Was ist das eigentliche Hauptziel von Broke? Warum macht man das? Warum macht man ein Kollektiv?

Rafael: Es gibt mehrere Gründe. Und diese Gründe spielen sich auf unterschiedlichen Ebenen ab. Die eine Ebene ist sich gegenseitig Feedback zu geben. Sowohl als Bildkritik als auch in der Arbeitsweise. Wie fotografiere ich? Wie verhalte ich mich meinem Protagonisten gegenüber? Auch sich gegenseitig motivieren, sich gegenseitig pushen ist wichtig.

Wie fotografiere ich? Wie verhalte ich mich meinem Protagonisten gegenüber? Auch sich gegenseitig motivieren, sich gegenseitig pushen ist wichtig.

Das heißt, es ist schon vorgekommen, dass ich irgendwo einen Fototermin hatte, also eine Reportage und nicht genau weiterwusste. Dann habe ich Sascha angerufen und gefragt: Hey sag mal, wie würdest Du denn jetzt vorgehen?

Dann ist es der gemeinsame Austausch über Fotografie. Das man sich gegenseitig zeigen kann, was man fotografiert hat. Also ganz viel Auseinandersetzung.

Broke.Magazine #1

Außerdem bringen wir auch das Broke.Magazine raus. Was ja nicht nur Fotografie, sondern auch viel Grafikdesign und Layout ist. Und im Endeffekt ist Broke für uns halt eine kreative Spielwiese. Wir können ganz viel Ausprobieren. Es ist nicht so, dass wir jetzt eine professionelle Firma sind und da nur Porträtfotografie machen, sondern wir können uns da kreativ auslassen und uns gegenseitig dabei unterstützen. Jeder macht seine eigenen Sachen. Wir waren noch nie zu dritt am gleichen Projekt.

Sich gegenseitig zu unterstützen, sich gegenseitig Feedback zu geben, sich gegenseitig fotografisch weiterzubringen, eine gemeinsame Auseinandersetzung zu führen. Oft ist es auch beleben für die eigene Kreativität, wenn jemand anders da noch neben einem sitzt oder sich per Skype zuschaltet und einem neue Einflüsse gibt.

Jonas: Du hast es gerade schon erwähnt das Broke.Magazine. Da ist jetzt die erste Ausgabe ausverkauft. Die habt ihr ja auch bei Gudberg Nerger im Laden gehabt. Und da kommt demnächst die zweite Ausgabe. Wann kommt die denn?

Rafael: Im Spätsommer. Geplant ist ungefähr jedes halbe Jahr ein neues Magazin rauszubringen. Das kann aber ein bisschen variieren.

Jonas: Wie ist das Broke.Magazine entstanden?

Rafael: Fotografie hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Demokratisierung erfahren. Es gibt Unmengen an Bildern.

Es gibt keine soziale Situation, in der keine Kamera dabei ist. In jeder Situation hat ein Mensch ein Smartphone dabei.

Durch diese Demokratisierung der Fotografie sowie die digitale Entwicklung, beispielsweise die Popularität von Facebook und Instagram, ist auch eine Inflation an Bildern entstanden. Man kann sich da Statistiken anschauen, was jeden Tag an Bildern neu im Internet geteilt wird.

Und uns hat die Schnelllebigkeit des Bildes gestört. Fotografie ist für uns etwas Besonderes. Wir wollen unseren Bildern oder Bildern die uns was wert sind, Beständigkeit verleihen. Deswegen geben wir ihnen das Medium Papier. Wir drucken sie und das im Magazin. Hinzu kam, dass wir spaß an Layout haben und das wir gerne unsere Arbeit zeigen. Zeigen möchten, was wir machen. Und so kann man auch unsere fotografische Entwicklung mitverfolgen.

Fotografie ist für uns etwas Besonderes. Wir wollen unseren Bildern oder Bildern die uns was wert sind, Beständigkeit verleihen. Deswegen geben wir ihnen das Medium Papier.

Jonas: Das hebt das ganze auch so ein bisschen in die Realität. Das ist was ich finde. Du hast was Haptisches. Es ist nicht nur im virtuellen Raum.

Rafael: Genau. Haptik ist ein ganz wichtiges Stichwort, was das angeht. Man kann es anfassen. Man kann darin rumblättern. Wenn man sich jetzt ein Bild auf dem Handy oder einem Bildschirm ansieht, dann klickt man es ganz schnell wieder weg. Es ist halt schnelllebig. Und so ein Magazin das ist einfach was Wertiges, das kauft man sich, dann hat man einen physischen Gegenstand mit einer Haptik.

Ich mag auch gerne den Geruch von frisch gedrucktem Papier. Ich kaufe mir auch gerne alle möglichen Magazine und Bildbände einfach um sie durchblättern, sie ins Regal stellen, zu können und später wieder hervorzuholen. Das ist mir persönlich wichtig diese Bilder die ich mir dann in gedruckter Form angucken kann: Die haben für mich noch mal eine ganz andere Bedeutung die erreichen mich auch einfach anders. Das finden wir wichtig und das wollen wir mit unserer eigenen Fotografie auch betreiben. Deswegen drucken wir unsere Bilder.

Jonas: Dann will ich noch mal gerne wissen ihr habt da dieses Hashtag “#BROKEBUTDOPE”. Was heißt das? Wie ist es dazu gekommen?

Rafael: Wir haben zusammen rumgehangen. Wir machen regelmäßig Broke-Tag, wo wir uns treffen und über alles Mögliche schnacken. Da entstehen immer jede Menge lustige, bescheuerte und manchmal sogar auch gute Ideen. Wir hatten lust Sticker zu machen.
Wir alle kommen ein bisschen aus der Hip-Hop- und Streetartecke und sind damit sehr eng verbunden. Daher ist Sticker drucken für uns eine relativ normale Ausdrucksform. Also drucken wir natürlich auch Broke Sticker. Wir Drei sind ständig Broke, dass heißt, wir haben alle drei ständig kein Geld. Weil wir alle nicht viel verdienen oder Zuviel ausgeben oder irgendetwas dazwischen. Wir sind halt irgendwelche Hamburger Jungs von der Straße und keine Yuppies. Deswegen Broke.

Broke but dope #brokebutdope #motto #hamburg #streets

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But Dope. Wir haben keine großen finanziellen Mittel, sind aber korrekte Typen. Das ist die Bedeutung. Und den Hashtag haben wir uns ausgedacht, weil wir uns immer wieder Gedanken machen über Verknüpfungen zwischen dem realen Leben auf der Strasse und dem Umgang mit Bildern im Internet. Wenn nun jemand den Sticker irgendwo in der Stadt entdeckt, kann er ihn fotografieren.

Bei Straßenfotografie hat man ja einen Blick für skurrile Situationen. Manchmal ist etwas pleite oder zerbrochen, kaputt aber trotzdem korrekt. Da passt dann dieser Spruch. Das fanden wir witzig, das trifft unseren Humor. Dann haben wir daraus einen Sticker gemacht. Das hat auch funktioniert. Es gibt auf Instagram immer mal wieder Bilder, auf denen Leute unseren Sticker finden und fotografieren und mit dem Hashtag hochladen. Das freut uns, dass Leute das entdecken und sich auch drüber freuen.

Jonas: Wie ist dein Verhältnis zur Bildbearbeitung? Was darf man und was nicht?

Rafael: Ich selber arbeite grundsätzlich nur mit Lightroom. Ich mache ganz wenig mit Photoshop. Ausser vielleicht mal schärfen. Mann kann nicht sagen alles, was man in einem Fotolabor durfte darf man auch. In einem Fotolabor konnte man auch Stempeln und Stempeln zum Beispiel geht gar nicht. Wie alles was die Situation oder den Kontext wirklich verfremdet.

Ich finde, man darf ein bisschen an der Belichtung spielen, man darf ein bisschen Lichter und Tiefen regulieren. Das Bild halt entwickeln, digital. Aber was darüber hinausgeht, einzelne Bildbereiche zu verändern um einen Effekt zu erzielen geht nicht. Die Grenzen sind teilweise fließend. Ich bin aber jemand der eher minimale Bearbeitungen, und einfache Bearbeitungen, mag als es zu übertreiben. Bildinhalte zu verändern geht gar nicht. Da ist auf jeden Fall lange eine Grenze überschritten. Also Menschen hinzufügen oder eine Straßenlaterne in ihrer Position zu verändern oder so etwas.

Ich bin aber jemand der eher minimale Bearbeitungen, und einfache Bearbeitungen, mag als es zu übertreiben. Bildinhalte zu verändern geht gar nicht. Da ist auf jeden Fall lange eine Grenze überschritten.

Das kann fotografische Kunst sein hat aber mit dem Fotojournalismus oder auch der Straßenfotografie mit der ich mich identifizieren kann nichts zu tun.

Jonas: Hast Du gerade mit der Straßenlaterne auf Steve McCurry angespielt?

Rafael: Ja, natürlich.

Jonas: Ich danke Dir für das Gespräch!

Rafael: Sehr gerne!

2 Gedanken zu „Broke.Photos

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