Europa, Asien – Eine Bootsfahrt

Zweimal war ich schon in Asien diese Woche. Am Dienstag und heute am Donnerstag. In Istanbul ist das nur eine Boots- oder U-Bahnfahrt entfernt. Die Asiatische und Europäische Kontinentalplatten treffen hier aufeinander. Dazwischen ist der Bosporus – der Verbindung vom Schwarzen- zum Mittelmeer.

Zwei Brücken gibt es über den Bosporus. Die Bosporus Brücke, deren Namen ich mir gut merken kann und eine andere, der Namen ich mir nicht merken kann. Eine dritte befindet sich im Bau. Ob ich mir ihren Namen merken werde, weiss ich noch nicht. Schließlich ist sie ja auch noch nicht fertiggestellt.

Diese Meerenge war schon immer wichtig. Mal Teil vom Römischen Reich, mal Teil vom Osmanischen. Dann kam Atatürk, machte Schluss mit dem Osmanischen Reich und seitdem gehört der Bosporus zur Türkei. Es ist ja auch immer hübsch so eine schöne Meeresverbindung zu haben. Da kann man prima der Wegelagerei frönen und den Leuten Zölle aus dem Leib pressen.

Schif und Moschee

Ich gehe an Bord eines dieser Schiffe. Die Drehkreuze sind ausser Kraft gesetzt. Der komplette Nahverkehr ist derzeit kostenlos. Ein Geschenk von Erdogan.

Es ist Acht Uhr abends als das Schiff losfährt. Die Sonne beginnt hinter der Skyline Istanbuls zu versinken. Pärchen machen Selfies.

Das Meer schimmert wieder in diesem Grün-Türkis-Blau wie ich es bisher nur hier am Bosporus gesehen habe.

In Entfernung die Bosporus Brücke. Also die, die auch so heisst und deren Namen ich mir merken kann.

Eine Frau sitzt am Pier und schaut auf den Bosporus

In Asien schlendere ich am Pier entlang. Auch hier laute Musik. Leute fangen an sich Fahnenschwingend zu versammeln. Aber wesentlich weniger als am Taksim-Platz.

In einer Reihe Angler die ihr Glück am Abend versuchen. Dazwischen Pärchen, die verträumt dem Sonnenuntergang zusehen.

Ein Angler am Bosporus

Fisch wird gegrillt

Direkt beim Steg mit den Anglern ein kleiner Essenstand der gegrillte Makrelen im Brot verkauft. In Deutschland würde man da jetzt dick “Streetfood” und vermutlich auch “Bio” und sowas ranschreiben. Weil einfach geiles Essen verkaufen geht in Deutschland nicht. Das muss dann gleich alles so Hipp sein. So Latte macchiato und MacBook Hip. Mit Hornbrille, Ziegenbart und Hut. Dazu ‘ne Weste an. Einfach immer ein bisschen Zuviel des ganzen. “Over the top.” Würde der Hipster sagen und seinen Satz dann mit “Anyway” fortführen. Anyway!!!! Noch nie in Amerika gewesen. Aber Anyway…

Und dann dieser Burgerwahn mit selbstgeschnitzten Süßkartoffelpommes. Da eröffnet der übernächste Hipsterladen neben dem nächsten. Leute, kommt doch mal klar!

Und diesen Rucolascheiss lasst bitte auch mal weg…

Das Fisch Sandwich jedenfalls wird frisch vor meinen Augen zubereitet. Ohne Rucola. Ohne Schnickschnack und ohne diese verkappten Blumenvasen oder Einmachgläser aus denen man “Craft Beer” in sich rein-hippen kann.

Zuckerschock von oben

Ein paar Meter weiter ist ein Stand der sich mir nicht erschließt. Ein Topf mit verschiedenfarbigen Dingen. Sauce?

Dazu Holzstäbchen. Ich spreche den jungen mit eine Fez behüteten Verkäufer an.

Der Mann der Lollis machen kann

Fruchtsirup. Der Mann mach Lollis oder so. Ich weiss zwar nicht wie sie heißen, sie sind aber lustig anzusehen und schmecken nach Zucker, was vermutlich auch der Hauptbestandteil ist.

Ein Boot auf dem Bosporus abends

Ich schlendere zum Schiff zurück. Unterwegs kommt mir einer dieser “Allah, Akbar!” rufenden Demonstrationszüge entgegen, der größtenteils unter einer übergroßen Türkei Flagge verborgen ist.

Ein Gedanke zu „Europa, Asien – Eine Bootsfahrt

  • 23. Juli 2016 um 13:08
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    Hah, den Hippstern ordentlich einen eingeschenkt, das haben sie verdient!
    Außerdem: Tolles Foto vom Stand des Lolliwicklermannes, superb!

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