Fuji gegen Nikon: Die Fuji X100T und die Nikon D700 im Einsatz

Vorab ein kleiner Disclaimer: dies ist kein Review, keine Kaufempfehlung sondern nur meine ganz persönliche Meinung.

Für meinen Fujianer wird das hart. Oder sie erklären mich für verrückt. Oder beides. Wer in seiner fotografischen Religion nicht gefestigt ist, nicht den Mainstream-Religionen Canon und Nikon angehört, der landet sehr schnell beim Fujijismus.

Allerdings ist auch Fujifilm, wie Canon nun nicht von der reinen Lehre: beide stellen Auch Drucker und anderes Elektrogedöns her. Drucker! Ich weiss, ich weiss, Apple hat auch mal Spielekonsolen hergestellt (und damit sind jetzt nicht die iPhones und iPods gemeint mit denen man die Kids daddeln sieht)…

Vermutlich habe ich mich damit schon bei zwei Gruppen von Leuten unbeliebt gemacht. Aber jetzt mal im Ernst: Canon kann ich nicht genug beurteilen und Fuji macht fantastische Kameras.

Es kommt wie alles auf den Zweck an. Was will man wie einsetzen? Die Fuji X100T nutze ich zum Beispiel in Hamburg sehr gern für Streetphotography. Es ist eine prima immer dabei Kamera. Warum ich immer eine Kamera dabei habe, das habe ich übrigens auch schon dargelegt. (Wie man die besten Fotolocations findet)

Und was ist mit Reportagefotografie und actionreicher Fotografie? Szenen wo viel passiert. Ich hab die Fuji und die Nikon auf dem Taksim Platz in Istanbul getestet. Am ersten Tag habe ich ausschließlich mit der Fuji fotografiert, am zweiten Tag nur mit der Nikon D700 und dem 50mm f1.4, ab dem dritten Tag nur noch mit der 35mm f2.8 Festbrennweite.

In einer ähnlichen Kombi habe ich sie für Street und Reise eingesetzt: 1. Tag nur Fuji, 2. Tag Fuji in bis zum Mittag ab Mittags dann die Nikon mit 50mm f1.4 und ab dem 3. Tag nur die Nikon mit 35mm. Darauf gehe ich später ein – erstmal auf die Reportage der Proteste.

Fuji X100T

Nach den ersten Fotos habe ich mir gleich meine Vertraute Nikon gewünscht. Mit ihr habe ich in Hamburg mehrere Demonstrationen begleitet und daher einige Übung. Man kann durchaus gut solche Proteste mit der Fuji Dokumentieren. Der riesen Vorteil ist die Beiläufigkeit und die Unauffälligkeit. Man läuft nicht gleich mit dem Schild “Reporter” herum.

Im folgenden sind einige der Punkte welche die Fuji für mich bei solchen Veranstaltungen gegen die wesentlich ältere Nikon weit zurückbleiben lässt:

  • Die Akkulaufzeit ist beschissen. Sorry. Das geht nicht. Allein damit ist die Kamera untauglich. Ey scheisse, ich will Bilder machen und nicht ständig den beschissenen Akku wechseln. Fuji geht es noch? Nachbessern!! Der Nikonakku ist nach über 2 Tagen und mehreren Tausend Fotos noch halb voll. Und jetzt komm mir bitte keiner mit Spiegelloser und Gefasel. Dass kann ja gut sein, dass das für deinen Einsatzzweck überhaupt keine Rolle spielt. Aber will ich auf einer Protestkundgebung Akkus wechseln wie ein bekloppter? Nö. Für diese Kamera besitze ich 9 Akkus um auch mal mehr als einen Tag dauer-fotografieren zu überleben.
  • Wenn wir schon beim Akku sind: welcher Designer hat das Akkupack verbrochen?! Ehrlich bitte! Schmeisst die Praktikanten aus der Entwicklungsabteilung. Man kann den Akku nich nur in eine Richtung falschherum einlegen, sondern gleich in mehrere. Hurra!
  • Dann dieser flimselige Plastik Nupsi, der den Akku zurückhält. Oranges Plastik?! Sorry. Geht nicht.
  • Die Paßgenauigkeit von Akkus. Zugegeben ich benutze auch Fremdakkus von Pantona. Ich muss die Kamera schütteln klopfen und das herausragende Ende mit zwei Fingern greifen und ziehen. Mach das bitte mal einer in einer Menschenmasse wenn Bengalos neben einem gezündet werden. Alles was fummelig ist hat im professionellen Bereich nichts zu suchen.
  • Sie ist nicht Spritzwassergeschützt. Für mich ein Muss bei solchen fotografischen Aufgaben. Soll ich ne Plastiktüte aus dem Rucksack ziehen sobald ein paar Tropfen kommen? Ich habe unten den Lautsprecherschlitz abgeklebt um zumindest ein wenig vorzubeugen.
  • Generell die Robustheit: Fällt meine Nikon runter bin ich ziemlich sicher das sie noch funktioniert. Bei der Fuji bin ich mir sehr sicher, dass das Gegenteil der Fall ist. Ich schone meine Kamera nicht. Bei dem was ich fotografiere geht das auch nicht.
  • Automatische Belichtung: die liegt mir gerade in dunklen Situationen zu häufig daneben
  • Der Autofokus ebenfalls. Der ist für schnelles nicht tauglich.

Ich habe keine Lust ein Bild zu verpassen, weil die Automatik nicht das tut, was ich möchte. Ich will mich auf mein Werkzeug verlassen können.

Nicht falsch verstehen. Die Fuji ist eine prima Kamera. Die Jpegs sind phänomenal. Sie ist eine gute zweit oder Drittkamera und eine feine Streetkamera. Wenn es um Action geht bleibt die ab jetzt zuhause.

Ich mag die Direktheit meiner Nikon. Du weisst ob ein Bild gesessen hat oder nicht. Bei der Fuji weiß ich nichtmal ob sie ausgelöst hat. Und nein, das entwürdigende Piep-Geräusch schalte ich nicht dazu.

Was mich noch stört ist die größe der RAWs. 40MB. Im ernst? Das muss alles irgendwo hingespeichert werden… Und schon ohne Festplatten habe ich genug zu schleppen.

Die Nikon D700 ist alt. Für das was ich mache reichen die 12Megapixel völlig. Bilder die ich versende haben selten mehr als 2000 Pixel Kantenlänge. Raws schiesse ich auch (RAW Jpeg) aber ich bin jetzt dazu übergegangen fast nur Kamera JPEGs zu versenden. Abends noch RAWs entwickeln? Nein, danke.

Die Fuji Presets sind Oberklasse, ich benutze Classic Chrome und sehe auch keinen Grund das umzustellen. Ich mag den kontrastreichen Look und die Farben. Es kommt alles irgendwie “griffig” rüber.

Auf der Nikon habe ich den Kontrast erhöht und benutze das kleine JPEG in mittlerer Qualität zusätzlich zu den RAWs. Die RAWs lasse ich übrigens Verlustbehaftet komprimieren. Den Unterschied sehe ich nicht, den Unterschied am Speicherplatzverbrauch schon…

Ein Gedanke zu „Fuji gegen Nikon: Die Fuji X100T und die Nikon D700 im Einsatz

  • 8. November 2016 um 17:20
    Permalink

    Also ich muss die die kleine Fuji etwas in Schutz nehmen 🙂

    Für meine Zwecke, ich fotografiere viel auf Salsa Verantaltungen ist sie super geeignet. Wenn ich da mit eine DSLR fotografieren würde, würde ich gar nicht in die Clubs reinkommen 😉

    Und die Fuji-Bilder sind irgendwie lebendiger.

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