James Nachtwey, War Photographer

Ich habe ein Faible für Dokumentarfilme. Deswegen bin ich auch über Umwege bei der Fotografie gelandet. Motto: “Erst mal Bildaufbau lernen!”

Seit ich mich mit Fotografie beschäftige, bin ich auf der fast schon wahnhaften Suche nach Dokumentation zum Thema. Da kann es schon mal passieren, dass ich eine DVD in Mexiko bestelle, um dann festzustellen, dass sie auf Spanisch ist… Die englischen Untertitel waren nun ja, einfach nicht vorhanden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Krieg und Konflikt haben mich schon immer fasziniert. Das Totale daran. Seit Jahren beschäftige ich mich auf die ein oder andere Weise mit diesem Thema. Und es liegt nahe, sich dann auch mit Kriegsberichterstattern und Kriegsfotografen zu beschäftigen. Ich habe eine hohe Achtung vor denjenigen die starke Risiken auf sich nehmen, um uns Bildmaterial aus den Konflikten dieser Welt zu liefern. Es ist wichtig, dass der Konflikt, diese düstere Seite des menschlichen Seins ebenso bebildert wird wie die schönen Dinge.

Wenn es einen Olymp der Kriegsfotografie gibt, so steht James Nachtwey auf ihm. Nachtwey, der uns so wichtige Bilder lieferte, wie das des Kreuzes vor dem herabstürzenden World Trade Center 2001 (Eine gute Bildserie mit Bildern von Nachtwey gibt es hier beim Time Magazine). Und das ist ein Beispiel von vielen. Ob es einen aktuellen Konflikt gibt, den Nachtwey nicht fotografiert hat? Ich glaube es nicht.

Apartheid in Südafrika, an der Seite von Carter, Marinovich, Oosterbroek und Silva, Bosnien, Sudan, Israel. You name it.

Ich mag den Film. Die Machart. Nachtwey bei der Arbeit. Eine zweite Kamera auf seiner Spiegelreflex. Man sieht was Nachtwey fixiert, schaut mit ihm zusammen quasi durch den Sucher. Hört die Auslösungen. Das klack, klack, klack der Kamera. Sieht die Ergebnisse. Dazu der ruhige, besonnene Charakter von Nachtwey. Wie er in diesen Situationen agiert und reagiert.

Die Kollegen von Nachtwey kommen zu Wort und der gesamte Prozess der Bildentstehung wird gezeigt. Vom Fotografieren über das Entwickeln und das Editing. Dies alles in einer bewundernswerten Beiläufigkeit. Christian Frei, der Filmmacher und Produzent schaft es einen runden und erstklassigen Dokumentarfilm abzuliefern, der neben einem ausführlichen Charakterporträt von Nachtwey auch die Arbeitsweise von Fotojournalisten im Krisengebiet offenlegt. Chapeau!

Es lohnt sich bei wenig Filmen in diesem Universum, sie mehrfach anzusehen. “War Photographer” ist für mich eine absolute Ausnahme. Mindestens vier mal habe ich ihn schon gesehen. Und die ausdruckskraft von Nachtweys anklagenden Bildern – oft in schwarz-weiß – beeindruckt mich stets aufs Neue.

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