Mümmelmannsberg

Bunny Hill. So wurde Mümmelmannsberg früher mal genannt. Vermutlich findet das ausser mir heute keiner mehr so witzig. Langsam rauscht die U2 an Hammerbrook vorbei, durchquert das trostlose Billstedt. In Mümmelmannsberg steige ich aus.

Einer der ersten Abende in Hamburg bin ich hier ebenfalls ausgestiegen. Zusammen mit Anna meiner damaligen Mitbewohnerin. Marlene meine Schwester hatte irgendeine Party aufgetan. Oben auf einem dieser Hochhäuser.

Damals lagen neben der Treppe des U-Bahnhofs Blumen. Kerzen brannten. Kurz zuvor war hier jemand erschossen worden.

An diesem kalten Februar war davon nichts mehr zu merken. Eine Mutter kam mit ihrem Kind an der Hand auf die Treppe zu. Auf der anderen Straßenseite war das zu sehen was einmal das Zentrum sein sollte. Dieser in den Siebziger Jahren hochgezogenen Siedlung. Die Shoppingmeile. Verfallene Geschäfte. Leerstand. Zebrochene Glasscherben liegen herum. Ein junge Frau kommt auf mich zu und geht schnell zum U-Bahnhof weiter. Dahinter der “Markplatz” ein verfallenes Hochaus mit vor sich hin rostenden Satellitenschüsseln. Zumindest der Friseur hat noch auf.

Ein Punk mit Zylinder überquert der Marktplatz. Ich schiesse ein paar Fotos.

Mümmelmannsberg

Während ich durch die Straßen gehe höre ich Deutschland Radio Wissen ein Beitrag über den DDR-Überläufer Hansjoachim Tiedge. Die graue Tristesse der Betonwüsten erinnern mich an die DDR.

Willkommen in Suburbia!

An einer Autobahnunterquerung spreche ich mit einem netten Mann. Mitte 40. Wo es denn hier zu den Feldern geht? Möglichst mit Blick auf den Stadtrand.

Da Rechts. Hinterm Kreisel immer geradeaus. Danke! Schönen Tag noch. Bei den Feldern angekommen, starker Wind. Graue Wolken ziehen auf. Passt irgendwie hierhin denke ich. Ein paar hundert Meter weiter – eine riesige Stromtrasse. Der Wind spielt auf den Leitungen ein Pfeifkonzert. Direkt darunter die Grenze zu Schleswig-Holststein und das erste Dorf Havighorst.

An einem Seitenweg eine Scheune. Davor ein Auto. Aber Blick auf Mümmelmannsberg. Ich weiss was passiert. Egal. Ich geh weiter.

“Hallo! Was machen Sie denn da?”

Ein paar Fotos. Von der Stadt und den Stromleitungen.

Ach so. Nach dem Fotografieren werfe ich einen Blick in die Scheune. Autowerkstatt.

Alles Privat! Versichert mir der Mann. Klar, dass der ‘nem Typen mit Kamera gegenüber skeptisch ist.

Mümmelmannsberg

Ich frag ihn nach einem Weg über die Felder. Ja der Straße folgen, dann da und da lang.

Auf dem Weg durchs Dorf mach ich Fotos von den Bauernhöfen. Von einem Auto werde ich Angehupt. Man ist gern unter sich in Havighorst. Fotografieren ist wohl nicht erwünscht.

An der Bundesstraße entlang geht es nach Oststeinbek. Rechts nur Wiesen. Links Felder und der Stadtrand in der Ferne.

Am Eingang von Oststeinbek begrüßt mich ein Schild mit einem großen Adler. “SFO Bürgerinitative für Oststeinbek e.V. Wir sind Wachsam!” steht das drauf. Aha.

In meinem Kopf sehe ich eine selbstgebildete Bürgerwehr von Kurzhaarigen mit dunklen Klamotten und diesen fetten Maglite Taschenlampen durch die Straßen ziehen. Irgendwie Gruselig.

Die nächste Straße ist die Möllner Landstraße. Passt zu dem Bild in meinem Kopf. Ich geh zur nächsten U-Bahn.

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