Reise nach Istanbul

Grenzkontrolle

Als ich im Terminal 1 ankomme muss ich innerlich aufstöhne. Die Schlange geht quer durch die Halle und einmal um die Ecke.

Dazu muss man wissen, dass ich eher das Gegenteil von einem Vielflieger bin. Ich hab mich also in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett gequält um mich da Anzustellen? Im Vergleich mit meinem Bett scheint das hier so etwas wie die Vorhölle zu sein.

Schnell entdecke ich, dass die Schlange zu einem Flug nach Oslo gehört. Meine ist bedeutend kürzer. Für den Moment bin ich erleichtert. Auch meine Kameratasche mit Laptop und allem Equipment passt als Handgepäck. Super!

Am Schalter bekomme ich meine Tickets. Den Wisch, den ich per E-Mail bekommen habe hätte ich garnicht erst ausdrucken brauchen. Der Pass reicht.

Ich muss zum Gate B48. Aha. Da rechts runter, deutet der Typ am Schalter. Noch weit vor den Gates, sehe ich es.

Die Schlange von Oslo ist im Vergleich zu dieser Hydra harmlos. Das letzte mal bin ich Businessclass geflogen. Da konnte man da einfach durchlatschen. Jetzt aber bin ich privat unterwegs und somit ein Mensch Zweiter Klasse. Geschlagene 40 Minuten stehe ich mir die Beine in den Bauch. Es ist ja auch Hauptsaison. Mir wird klar wie sehr ich diesen Reisetrubel hasse und wie wenig schlimm im Vergleich dazu doch eine Busfahrt nach Bosnien ist.

Mein Gepäck wird von deutschen Zollbeamten gründlich durchsucht. Gescannt, und auf Sprengstoff geprüft. Meine Wasserflasche habe ich nur zu einem viertel Ausgetrunken. Die muss jetzt weg.

Im Ganzkörper-Nacktscanner verkneife ich mir das Victoryzeichen. Vermutlich ist hier niemand witzig drauf. Nein, das ist Deutschland. Das ist Ernst.

5 Meter hinter der Kontrolle gibt es einen Stand der Softdrinks und Wasser anbietet. Genau das Wasser, was ich vor wenigen Metern entsorgen musste. Glaubt eigentlich irgendwer wir durchschauen das ganze Sicherheitsbohei nicht?

Und diese Sprengstoffwischtest, da würd mich mal interessieren ob das genau so ein Scam ist wie die der Iraker. Die haben so tolle Geräte in schicken Koffern gekauft. Überteuert versteht sich. So wie ich die Geschichte kenne machen die nach Zufallsprinzip mal piep. Und irgendwer ist damit reich geworden.

Kurz vor dem Gate ist eine lange Schlange. Das fängt ja prima an. “International Border Control” steht da. Diesmal geht es schneller. Ich stehe nur 20 Minuten. Andere Beamten prüfen meinen Pass. Hinter der Grenze fühl ich mich genauso wenig International wie vorher. Nur ein wenig abgehetzt.

Endlich komme ich an Gate 48 an und stelle mich in die Schlange…

Gesundes Essen

Bis auf eine undefinierbare Zwischenmahlzeit und Luftlöcher verläuft der Flug ereignislos. Es ist erstaunlich welche Menge Plastikmüll jeder Passagier allein durch das Essen anhäuft. Sogar das Plastik ist in Plastik eingepackt. Bekloppt.

Otopeni Airport, Bukarest

Flughafen Bukarest

Gerade bin ich in Rumänien gelandet, ich hasse fliegen. Diese Gewackel, diese Gefühl keinen festen Boden unter den Füßen zu haben: ätzend. Hier ist es unglaublich schwül, die Luft steht. Ich sitze im Transitbereich wo sich sämtliche Fastfoodketten und Schnellimbisse der Welt verschworen haben einem überteuertes, schlechtes Essen anzubieten.

Es riecht nach altem Frittenfett.

In Hamburg wurde mein Handgepäck ja bereits gründlich Geprüft, hier in Rumänien noch gründlicher. Ein schlecht gelaunter junger Rumäne mit abschätzigem Blick durchwühlt mein Gepäck. -“Where you at the Police?” Ich schaue in fragend an. Ahh, jetzt. “You mean the woman at the entrance of the transit?” -“Yesss…”

Ich, mein Gepäck, meine Kamera, einfach alles wird abermals dem Sprengstoff-Wischtescht unterzogen. Gründlicher als in Hamburg. Vermutlich sehe ich gefährlich aus. Zumindest kann ich mir jetzt sicher sein niemals mit Sprengstoffen in Berührung gekommen zu sein. Vermutlich kann ich das auch schriftlich haben. Mein nächster Flug nach Istanbul geht in knapp zwei Stunden. Ich hasse warten. Das ich Fliegen hasse, habe ich schon erwähnt oder?

Die Stimmung in der Türkei interessiert mich. Ich will mir das ansehen, diese Stimmung miterleben. Schauen, was auf den Straßen passiert.

Flughaven Bukarest Transitbereich

Mich nervt, dass ich kein freies W-Lan finde um die aktuellen Ereignisse zu verfolgen. Gelangweilt hänge ich im Transitbereich rum und schau anderen Passagieren zu wie sie die fettigen Imbisse zu sich nehmen. Die hektische Stimmung wird alle par Sekunden von einem DingDong unterbrochen auf das eine so schlecht Englische Frauenstimme folgt, dass ich ihr beim besten Willen nicht folgen kann. Zumindest verstehe ich, dass irgendwelche Passagiere für irgendwelche Flüge gesucht werden.

Hoffentlich sitz ich Gleich im Flugzeug. Ich bin das Warten leid und will endlich ankommen. Mein Hostel ist in Laufreichweite vom Gezi-Park und dem angrenzenden Taksim-Platz.

Ich sehe noch den kritisch, fragenden Blick der Polizistin bei der Passkontrolle. “You sure, you want to go to Istanbul, Turkey at the moment?”. -“Yes.” Ich nicke.

Istanbul

Flaggen in der Türkei am Montag nach dem Putschversuch

Endlich bin ich in Istanbul angekommen. Am Flughafen sehe ich nur 3 Soldaten mit Sturmgewehr. Es sind kaum westliche Reisende zu sehen. Ich steige ins nächstbeste Taxi und versuche dem Fahrer klarzumachen, das ich nach Beşiktaş möchte. Die Adresse ist unvollständig. Zum Glück habe ich die Nummer. Der Fahrer ruft Görkem, meinen Vermieter an. Obwohl sein Englisch fast nicht vorhanden ist versucht der Taxifahrer aus der einfachen Fahrt eine Stadtrundfahrt zu machen und weist mich auf jede Sehenswürdigkeit hin. Ich achte auf anderes.

Militär ist überhaupt nicht auf den Straßen, dafür ist ganz Istanbul in Flaggen gehüllt. An Denkmälern, Hochhäusern, Bussen, Rollern, Taxen, Bushaltestellen auf Balkons. Selbst bei der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 waren in Deutschland nicht halb soviele Flaggen zu sehen. Als wir im Stau stehen kommt ein weißes Auto von mit zwei jungen Männern angefahren. Beide winken mit Türkeiflaggen aus dem Fenster. Ich bin angekommen.

In den kommenden Tagen werde ich Bilder und Berichte aus Istanbul liefern. Mich interessiert welche Stimmung hier nach dem Putschversuch am Wochenende herrscht.

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