Warum Fotoausstellungen wichtig sind

Schau dir gute Bilder an. Das ist wichtig. Möglichst Bilder, vor denen du stehen bleibst und denkst “Wow!”.

Als ich noch nicht fotografiert habe, habe ich ein Henri Cartier-Bresson Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg gesehen. Das ist übrigens ein großartiges Museum und einen Besuch wert.

http://www.kunstmuseum-wolfsburg.de

Welches Bild mich damals beeindruckt hat, war das 1957 in Italien aufgenommene Bild eines Mädchens, welches sich im Innenhof in einem Lichtfleck befindet. Auf der Seite der Fahey/Klein Gallery ist dieses Bild zu sehen: Link zum Bild.

Bilder, die so im Gedächtnis bleiben, die einen beeindrucken, von denen man den Bildaufbau und das Abwarten des richtigen Moments lernt – dafür ist dass besuchen von Ausstellungen und Galerien wichtig.

Klar, es gibt Flickr, Pinterest und wie sie alle heißen. Aber: Soziale Netzwerke werden nie eine gut gemachte Ausstellung ersetzen, in der man erstklassige Prints bestaunen kann.

Geht selbst zu Ausstellungen, von denen ihr denkt, dass sie euch thematisch nicht interessieren. Lasst euch überraschen. Für mich war die “Sarah Moon – Now And Then“ Ausstellung in den Deichtorhallen so ein Erlebnis. Beim Blick auf die Bilder der Ausstellungsseite dachte ich, dass die Ausstellung thematisch überhaupt nichts für mich ist. Ich habe mich selten so geirrt: Ich war überrascht von der Wirkung ihrer Bilder. Der gewollten Unschärfe, dem Spiel mit Anlehnungen an die Malerei. Jeder der denkt, dass gute Bilder scharf sein müssen, sollte sich diese Ausstellung ansehen.

Jeder der denkt, dass gute Bilder scharf sein müssen, sollte sich Bilder von Sarah Moon ansehen!

Viele von ihren Bildern währen vermutlich in den üblichen Foto Communities nicht gut besprochen worden: zu weit ab vom Mainstream. Nicht massenkompatibel. Ich kann mir die Kommentare ausmalen, die auf der fehlenden Schärfe rumhacken.

Aber genau so etwas zeichnet gute Fotografen aus – sich von der Masse abzusetzen, einen eigenen stringenten Stil zu entwickeln und zu vervollkommnen.

Lumix Fotofestival für jungen Fotojournalismus Hannover 2016
Lumix Fotofestival für jungen Fotojournalismus Hannover 2016

Im Web prasseln massenweise Bilder auf uns ein. Es werden immer mehr. Jeder hat heutzutage eine Kamera in Form eines Smartphones. Bilder und Videos werden “geshared” und “geliked”.

Vor meinem inneren Auge sehe ich widerwärtige Duckface-Selfies.

Vielleicht sind auch die klassischen Badezimmerspiegel-Selfies noch schlimmer…

Man kann erstklassige Bilder mit einem Smartphone erstellen. Aber nicht jeder kann erstklassige Bilder erstellen. Und es kommt auch nicht auf die Kamera an – es kommt auf die Person an, die sie benutzt. Gute Bilder zu machen erfordert Übung, Erfahrung und Geduld.

Es gibt da auch keine Abkürzung. Um gut zu werden, muss man viele schlechte Bilder machen. Aber um zu erkennen, was ein gutes Bild ausmacht (um warum die eigenen am Anfang schlecht sind!) muss man sich gute, ja erstklassige Bilder ansehen. Am besten als großformatige Prints – in einer Ausstellung.

Und es gibt nicht nur Museen, sondern auch Galerien und Firmen in denen Ausstellungen stattfinden. Die beste Übersicht liefert hier die Zeitschrift Photonews: Im hinteren Teil gibt es ein Ausstellungsverzeichnis nach Postleitzahlen geordnet. Die Zeitung ist übrigens uneingeschränkt zu empfehlen: Sie ist mein absoluter Favorit, wenn es ums Thema Foto geht. Die ganzen Erklärbär- und Kameraverkaufsmagazine lass ich liegen. Ich will ja schließlich über das Thema Fotografie informiert werden und keine Kamera kaufen.