Warum ich unterwegs JPEG schiesse

Vor meinem inneren Auge sehe ich Jared Polin von FroKonwsPhoto.com in seinem berühmten “I shoot RAW!”-T-Shirt. RAW hat seine Berechtigung. RAW ist schön, RAW ist toll.

Um es mal überspitzt zu sagen: RAW ist für diejenigen die lieber zu Hause an Photoshop frickeln als raus zu gehen und zu fotografieren.

Natürlich hat RAW seine Berechtigung und ist wichtig. Aber halt nicht überall. Da wo es schnell gehen muss, da wo anderes im Vordergrund steht da wird RAW zunehmend unwichtiger. Zur Bildnachbearbeitung habe ich schon einen Artikel geschrieben und auch Rafael hat in seinem tollen Interview zu Broke.Photos meine Frage dazu beantwortet.

Ich bin kein Photoshop-Cowboy und will das auch gar nicht sein. Ich will gute Bilder schiessen. Bilder die für sich stehen. Bilder die nicht viel brauchen. In den letzten Tagen habe ich gemerkt was ich mit den RAWs von der Nikon mache: ein bisschen Kontrast. Crop selten. Die Bilder sollen schön klein und handlich sein. Schnell versandbereit: also auf der Nikon JPEG-Preset erstellt, welches den Kontrast um eine Stufe erhöht: Problem gelöst. Seitdem schiesse ich RAW und JPEGs (Größe S, mittlere Qualität) und bin hochzufrieden.

Bilder an denen man minutenlang rumdoktert gehören in die Tonne!

Mir reicht es wenn ich Abends alle Bilder durchsehe und die guten Auswähle. Zum Nachbearbeiten hab ich keine Lust und Zeit.

Klar, wenn man ohne Zeitdruck arbeiten kann ist das etwas anderes. Aber so: ab in eine E-Mail und gut ist.

Bei der Fuji habe ich eh meist auf die JPEGs zurückgegriffen das “Classic Chrome” Preset bietet einen schönen knackigen Look. Warum etwas anderes nehmen, wenn doch das funktioniert?

Natürlich werde ich auch die RAWs verwenden und damit arbeiten, aber von Unterwegs, für diesen Blogartikel beispielsweise, ist das JPEG ideal. Lange Zeit habe ich nur RAW benutzt. Auf der Nikon erst in der verlustfreien Komprimierung und in 14-Bit. Auch hier habe ich mittlerweile umgestellt auf 12-Bit und verlustbehaftete Komprimierung. Handliche Dateien reichen mir völlig. Ebenso wie die 12 Megapixel der Nikon D700. JPEG hat in meinen Augen seine Berechtigung. Und die JPEG-Engines der Kameras sind mittlerweile fantastisch!

5 Gedanken zu „Warum ich unterwegs JPEG schiesse

  • 28. Juli 2016 um 12:19
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    Hey!
    Das sehe ich ein bisschen anders! Ja, wo es schnell gehen soll macht es vielleicht mal Sinn. Aber muss man sich dieser Schnelligkeit immer hingeben? Klar, lässt sich das ab und an nicht vermeiden! Aber wenn es schnell gehen muss kannst du auch gleich deine DSLR zuhause lassen und dein Handy nehmen! Reicht auch!
    Für mich ist das RAW das Negativ, während JPEG quasi nen Polaroid ist! Kann man machen, aber man überlässt halt auch vieles eben dem Zufall, der Kamera oder analog eben der Filmemulsion.
    Ich nutze kaum Photoshop, also wirklich wirklich wenig! Und ich brauche auch keine Minuten pro Bild, aber wer lediglich den Kontrastregler anfasst verschenkt m.e. Potential! Und das hat auch nichts mit Minimalismus o.ä. zutun sondern mit wenig Wissen über Bildentwicklung im digitalen Workflow und vorallem auch nicht mit dem Kreieren eigener Bildlooks. Letzteres finde ich persönlich sehr wichtig und bei den meisten Menschen die mir sagen „Ja, aber ich will es ja so objektiv wie möglich haben“ denke ich nur „Ja, deine Bilder sind eh scheisse und nen Bildlook haste ja dennoch, nur eben nicht selbstgemacht, sondern von einem Algorithmus erstellen lassen“.
    Aber das ist natürlich auch nur meine Meinung und jeder soll machen was er will…
    #peace #brokebutdope

    • 28. Juli 2016 um 12:46
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      Hi Sascha,

      Danke für Deinen Kommentar. Bei der Entwicklung kommt es darauf an, was Du erreichen willst und wie die Umstände. Vielleicht ist es nicht klar genug geworden worum es geht: es geht darum, dass wenn du zwischen 23 und 24 Uhr vom Shooting kommst und Bilder liefern möchtest Schnelligkeit eher zählt als alles andere. Das hat dann auch nichts mit „wenig Wissen über Bildentwicklung“ zu tun, sondern ist purere Pragmatismus. Und gute Bilder haben manchmal nicht mehr nötig als ein wenig Kontrast…

      Klar, wenn du eine Fotodokumentation über XYZ machst und keinen Druck hast, dann sieht die Sache anders aus.
      Es ist wie mit der Wahl der Kamera und des Objektives: alles hat seine Berechtigung. Vielleicht wird es aus dem Artikel nicht ganz klar: ich Fotografiere JPEG und RAW, und verwende beide Formate je, nach Verwendung.

      Und mir ist es egal welcher Algorithmus mir die Bilder entwickelt: der von der Kamera oder von der Software.

      • 28. Juli 2016 um 15:20
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        Hey, ja wie gesagt, es ist nur meine Meinung und klar, alles hat seine Berechtigung und jeder soll sein Leben leben wie er mag! 🙂 Und ich habe deinen Beitrag bzw dich schon richtig verstanden.
        Wie gesagt ich kann das mit der Schnelligkeit schon in vielen Bereichen nachvollziehen! Aber ich finde es schade! Heutzutage läuft vieles halt viel schneller, aber hat auch einfach zur Folge das die durchschnittliche Qualität drunter leidet. Die meisten „schnellen“ Fotos sind halt scheisse! Nicht weil jpeg, sondern weil Zeitdruck! Auch hier natürlich nur meine Hater-Meinung 😀 Es ist auch nichts gegen dich persönlich, aber ich beschäftige mich grade aktiv mit der Entschleunigung im allgemeinen 🙂
        Ich denke ein gutes Foto ist eine Übereinkunft von vielen Dingen und eine richtige und schöne und passende Bearbeitung bzw Entwicklung gehört dazu! Klar kann man ein gutkomponiertes (etc.) Foto auch schlecht entwickeln und es bleibt dennoch was hängen beim Betrachter, aber ein schlecht komponiertes Bild lässt sich in der Post nicht mehr aufwerten. Aber warum sich nicht einfach die Zeit nehmen und von Anfang an alles richtig machen? Also Komposition, Moment, Entwicklung etc?
        Und den Algorithmus der Kamera bei der JPEG-Umwandlung mit den regulären in LR bei einer manuellen Entwicklung (Von den Grundeinstellungen bis zu den Profilen) zu vergleichen hakt denke ich gewaltig!
        Aber ich habe noch eine Frage zu deinem Kommentar: Was meinst du da genau mit „Shooting“? Wenn du auf Tour bist, wie z.b. Demo etc. oder meinst du ein Portrait-Shoot(ing) im klassischen Sinne?
        Peace, Sascha

  • 29. Juli 2016 um 14:46
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    Naja mit Presets dauert es nicht wirklich länger.
    Bildbearbeitung ist eine Wissenschaft für sich und sich selbst gute Bearbeitung sowie eigenen Bildlook zu erarbeiten, es kann ein langwieriger Prozess sein, sich da rein zu arbeiten.

    Klar kann man das Themengebiet auch ignorieren und sagen „das interessiert mich nicht, ich will nur fotografieren“, aber irgendwie gehört es mMn zur Fotografie dazu.

    • 29. Juli 2016 um 15:04
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      Es geht nicht darum dieses Themengebiet zu ignorieren – mir ging es um den Einsatzzweck. Vielleicht wird das aus dem Artikel nicht vollständig klar: ich habe ihn aus der Intention geschrieben, dass es gut ist fertige, kleine JPEGs zu haben, die man sofort versenden oder verwenden kann. Wenn es um das schnelle liefern von aktuellem Material geht führt kein Weg an JPEG vorbei. Da geht es auch nicht um einen Bildlook, sondern um Aktualität: Bilder auswählen, in eine E-Mail und fertig.

      Und um mal die große Keule raus zu holen: Henri Cartier Bresson hat seine Bilder nie entwickelt, er hat lieber Fotografiert. Das ist auch der Grund warum ich digital und nicht analog fotografiere: ich will nicht in der Dunkelkammer stehen.

      Dass heisst nicht, dass ich nicht RAW fotografiere und das seine Berechtigung hat – es kommt aber auf den Bereich ein.

      Und an welcher Stelle habe ich bitte auch nur angedeutet, dass Bildbearbeitung überflüssig ist?

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