Wie deine Fotos besser werden

”If your pictures aren’t good enough, you aren’t close enough." -Robert Capa

Diesen Spruch hat vermutlich jeder schonmal gehört. Er wird Capa zugeschrieben, obwohl es auch hinweise gibt, dass er eigentlich von Gerda Taro stammt. Taro hat zusammen mit Capa im Spanischen Bürgerkrieg fotografiert – und sich zusammen mit Capa ihre Künstlernamen ausgedacht.

Warum ich eine Festbrennweite benutze hat auch mit der Arbeitsweise, auf die dieser Spruch hindeutet zu tun.

Wenn Du das Blog verfolgt hast, dann hast Du sicherlich mitbekommen, dass ich gerade in der Türkei zum Fotografieren bin. Auf dem Taksim Platz gibt es einen Haufen Fotojournalisten. Ich habe auch 300mm Festbrennweiten gesehen. Kann man machen. Auch Telezooms sind beliebt. Versteh mich nicht falsch: das hat alles seine Berechtigung und mag für den einzelnen das optimale Werkzeug sein.

Bis auf einen Tag habe ich meine 35mm Festbrennweite benutzt. Und das war es. Kein Zoom, kein gar nichts. Nur ich und das 35mm. Klar hat das Nachteile: Damit kannst Du nicht jede Situation abdecken.

Wer das machen will, der kann sich ja gerne mit drei Bodys und ’nem dicken Rucksack bewaffnet durch die Menge kämpfen. Viel Spaß! Ich hab auch so schon genug geschwitzt.

Im Ernst: ich mag die Direktheit von 35mm. Es ist genau richtig. Nicht zu weitwinkling, nicht Zuviel Tele. Ein 50mm ist mir schon zu Eng vom Bildwinkel. Bei 35mm musst Du halt auch richtig nah ran an die Leute. Und man merkt, dass ich direkt vor den Leuten stand. Zum Teil haben sie das mitbekommen, zum Teil habe ich mich bemerkbar gemacht.

Und um einen Überblick zu schiessen ist das auch richtig. In meinen Augen wird die 35mm Linse zurecht die Linse des Fotojournalismus genannt. Sie ist mein Hauptarbeitswerkzeug.

Auch in Istanbul habe ich Suat, den Anarchisten und Zeynel, den Maler kennengelernt. Und vermutlich meint Capa nicht das: den physischen Abstand – sondern den Sozialen. Du musst die Leute akzeptieren – dann Akzeptieren sie dich. Du musst das auch nicht gut finden wie sie sind und was sie tun. Behandle die Leute mit Respekt. Jeder Mensch hat diesen Respekt verdient. Wenn sich jemand durch deine Anwesenheit gestört fühlt, werden die Bilder eh scheiße. Das mit dem Respekt hängt auch von der Situation ab. Während der Schweigeminute für die Opfer des Putsches habe ich bewusst nicht fotografiert. Aus Respekt.

Suat und Zeynel wissen was ich mache. Ich habe mit offenen Karten gespielt. Und sie haben mich akzeptiert. Es gibt Fotografen die Obdachlose auf Parkbänken schlafend ablichten und das dann unter dem Hashtag #Street ins Netz stellen. Tu das nicht. Die haben auch ihre Würde und ihren Respekt.

Was willst Du machen? Dich vor deiner virtuellen Comunnity aufgeilen, dass du einen geiles Bild gemacht hast?

Oder willst Du Geschichten Erzählen?

Geh hin, rede mit ihnen. Sei offen und ehrlich. Und mach die Bilder von ihnen die sie verdienen. Bilder, die eine Geschichte erzählen: Ihre Geschichte.